12.02.2013

Gedichte zu Karfreitag und Ostern 1







Am Karsamstag 1818

Warum er mich verlassen,
Musst' ich zum Vater schrein,
Und du willst dich nicht faßen,
Willst niemals einsam sein.
Siehst du denn nicht die Kerzen
An meinem Grabe hier,
Was suchst du mich von Herzen,
Und weinest vor der Tür?

Tritt ein du wirst mich finden,
So weit dein Glaube reicht,
Bekenne deine Sünden,
So wird dein Hoffen leicht,
Und wollen deine Augen
Mich liebend dann nicht sehn,
Soll dir der Glaube taugen
Blind zu dem Tisch zu gehn.

Das ist die rechte Liebe,
Die alles Dunkels lacht,
Die die vorwitz'gen Triebe
Gehorsam glaubend macht
Dann werden alle Sinnen
In meinem Hier sein neu
Dann denkt man nicht von hinnen
Auf dass man heilig sei.

Will Glauben, Lieben, Loben
Und Hoffen noch verstehn
So wollen sie nach oben
Vorbei beim Heiland gehn.
Du brauchst nicht so zu schreien
Die Türe schliess ich nicht,
Wenn tausend Teufel dräuen,
Sie löschen mir kein Licht.

Wer will dich mir begraben,
Die Braut, der ich vermählt,
Mit der kannst du mich haben,
Hast du mich recht erwählt,
Die Kirche, die sie schmähen,
Sie ist die Mutter dein,
Sie lehrt dich auferstehen
Sie lehrt dich selig sein.

Clemens Brentano
Das Osterei

Hei, juchhei! Kommt herbei
Suchen wir das Osterei!
immerfort, hier und dort
und an jedem Ort!
Ist es noch so gut versteckt,
endlich wird es doch entdeckt.
Hier ein Ei! Dort ein Ei!
Bald sinds zwei und drei!

Wer nicht blind, der gewinnt
einen schönen Fund geschwind.
Eier blau, rot und grau
kommen bald zur Schau.
Und ich sags, es bleibt dabei,
gern such ich ein Osterei,
Zu gering ist kein Ding,
selbst kein Pfifferling.

Hoffmann von Fallersleben
Ostermorgen

Die Lerche stieg am Ostermorgen
Empor ins klarste Luftgebiet
Und schmetterts, hoch im Blau verborgen,
Ein freudig Auferstehungslied,
Und wie sie schmetterte, da klangen
Es tausend Stimmen nach im Feld
Wach auf, das Alte ist vergangen,
Wach auf, du froh verjüngte Welt!

Wacht auf und rauscht durchs Tal, ihr Bronnen,
Und lobt den Herrn mit frohem Schall!
Wacht auf im Frühlingsglanz der Sonnen,
Ihr grünen Halm und Läuber all!
Ihr Veilchen in den Waldesgründen,
Ihr Primeln weiß, ihr Blüten rot,
Ihr sollt es alle mit verkünden:
Die Lieb ist stärker als der Tod.

Wacht auf, ihr trägen Menschenherzen,
Die ihr im Winterschlafe säumt,
In dumpfen Lüsten, dumpfen Schmerzen
Ein gottenfremdet Dasein träumt.
Die Kraft des Herrn weht durch die Lande
Wie Jugendhauch, o lasst sie ein.
Zerreißt wie Simson eure Bande,
Und wie der Adler sollt ihr sein.

Wacht auf, ihr Geister, deren Sehnen
Gebrochen an den Gräbern steht,
Ihr trüben Augen, die vor Tränen
Ihr nicht des Frühlings Blüten seht,
Ihr Grübler, die ihr fern verloren
Traumwandelnd irrt auf wüster Bahn,
Wacht auf! Die Welt ist neugeboren,
Hier ist ein Wunder, nehmt es an!

Ihr sollt euch all des Heiles freuen,
Das über euch ergossen ward!
Es ist ein inniges Erneuen
Im Bild des Frühlings offenbart.
Was dürr war, grünt im wehn der Lüfte,
Jung wird das Alte fern und nah,
Der Odem Gottes sprengt die Grüfte,
Wacht auf! der Ostertag ist da.

Emanuel Geibel
Osterspaziergang, Faust I

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter in seiner Schwäche
Zog sich in die rauhen Berge zurück.
Von dorther sendet er fliehend nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Uberall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt´s im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen, finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn;
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel;
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein!

Johann Wolfgang von Goethe






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