2016-07-24

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 09.07.1818 (313)



313. An Goethe 09.07.1818

Dein »Herkules« ist mir ein feiner Bissen gewesen, woran ich noch immerfort nachschmecke und nicht davon loskommen kann. Habe Dank für die lieben Blätter, die nicht dankbarer genossen werden können.

Das Tafelmotettchen könntest Du immer an Thibaut schicken, sollte er auch keinen Geschmack daran haben, wenn er es sonst nur an sich behalten will, weil sich soeben ein Verleger um diese Kleinigkeiten bemüht, zu deren Bekanntmachung mir freilich aller Trieb abgeht; denn so wie die Leute in Jena und Weimar genießen und was sie lieben, so ist’s überall und auch hier, und könnten sie, wie sie möchten, man hörte nichts, als was sie alle selber verfluchen und treiben. Meine jungen Leute machen mich oft zu lachen. Nichts in der Welt kommt ihnen natürlicher vor, als was ich ihnen sage und täglich wiederhole, ja sie predigen es nach, aber gänzlich verdreht, und was sie damit machen und ans Licht stellen, ist so hoffnungslos, daß man sich mit ihnen schießen möchte.

Ich bin auf dem Sprunge, nach Magdeburg, Braunschweig, Göttingen und Kassel zu gehn, und wünschte zu wissen, ob ich Dich in Jena oder Weimar zu treffen habe. Ich habe um Urlaub auf 10 Wochen gebeten und hoffe, ihn nicht allein zu erhalten, sondern noch Geld dazu zu bekommen. Künftigen Dienstag ist meiner Auguste Hochzeit, und dann bin ich frei, aber auch so rein ausgeschält, daß ich mich dieses Mal werde spärlich halten müssen. Laß mich demnach wissen, wann und wohin du gehst. An den Rhein ist mir’s diesmal zu weit, vielleicht komme ich Dir nach in Karslbad oder Teplitz. Gott befohlen.

Dein

ewiger

Berlin, den 9. Julii 1818.        Z. 

Den 19. Juli. Morgen früh fahre ich mit der ordinären Post über Magdeburg und Göttingen nach Kassel. Schreib mir nach Göttingen, poste restante, wo Du bist, damit wir uns treffen können. Dein

Z.

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