2016-07-26

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 08.01.1819 (317)



318. An Goethe 08.01.1819

Berlin, den 8. Januar 1819. 

Hier erfolgt denn auch der »Pillalu«, in den ich mich leichter gefunden habe, als ich anfangs dachte, wie Du an der Musik merken wirst. Doch wünschte ich etwas von Dir darüber zu vernehmen, da es eine ganz leichte Melodie ist. Es ist eigentlich ein Totenmarsch: Harfen, Posaunen und gedämpfte Pauken (großer Art) gehören dazu. Der Refrain wird vom Chore, jung und alt, in Unisono gesungen.

In der zweiten Strophe habe ich einer Doppelsilbe wegen eine Veränderung gemacht und in der letzten Zeile der letzten Strophe die Worte umgestellt, des Akzentes wegen; ist es Dir so nicht recht, so laß mich’s wissen, und ich richte es ein, wie es gehn will.

Endlich möchte ich wissen, ob auch die Fische eßbar in Weimar angekommen sind. Das Wetter schlug um, als sie eben abgegangen waren.

Wir haben eben eine Probe gehabt, unser Dreikönigsfest zu feiern, das wegen des Bohnenfestes am Hofe hat müssen auf morgen verlegt werden. Ich habe etwas Musik dazu komponiert, kann jedoch aus dem Ganzen nicht recht klug werden; Schadow oder sonst einer werden Dir wohl sagen, was es alles bedeuten soll. Es ist vielerlei durcheinander und doch manches Gute dabei, damit wir nur nicht alle einschlafen. Das Schlimme dabei ist, daß keiner macht, was er machen kann; denn wenn man machte, was man kann, so wären wir nicht schlechte Leute.

Soeben kommt ein Fäßchen mit Kaviar aus Königsberg in Preußen an, was sogleich zu Dir nach Weimar wandern soll. Magst Du doch mit Deinem Hause, indem ihr dies schwarze Zeug bestattet, den Totenmarsch dazu singen. Sonnabend, den 9. Z.

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