24.07.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 21.06.1818 (311)



311. An Goethe 21.06.1818

Hier hast Du wieder ein fleißiges Liedchen, das ich Dir gern zu hören gäbe, wiewohl ich es auch noch nicht gehört habe.

Es ist ein Motettlein worden, und ich wünschte von Dir zu wissen: wie Du mit der Umstellung der Verse zufrieden bist, indem mir das Gedicht bei der Arbeit viel Spaß gemacht hat. Ja ich habe es zweimal machen müssen, denn die erste Arbeit hatte was Polemisches, und nun müßte es von Rechts wegen humoristischer sein.

Sage mir auch, ob Du mit der Überschrift zufrieden bist, oder sage mir eine andere, denn unsere Tafellieder müssen durchaus einen Henkel haben, sonst tappen sie mitten in den Topf hinein.

Aus meiner Badereise, die ich freilich kaum entbehre, wird schwerlich etwas werden; heut ist der längste Tag, und ich kann nicht rück-, nicht vorwärts. Eine Reise nach
Göttingen täte ich gern: Forkel ist gestorben, und sein Kunstnachlaß soll im ganzen verkauft werden. Und so müßte man doch wissen, was da ist und wie die Sachen aussehn.

Laß mich doch wissen, wo Du bist und wo Du hingehst, ob ich Dich vielleicht auf etliche Tage auffange.

Für heut nichts mehr als ewige Liebe Deines

Berlin, 21. Junii 1818. Z.

Daß Du krank bist, soll ich nicht wissen; ob die Gefahr vorüber ist, werde ich doch wohl von Dir erfahren. Wenn Du gehst, nimm mich mit! nimm den treuen Bruder mit!

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