2016-07-29

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 18.01.1819 (320)



321. An Zelter 18.01.1819

Nicht allein die Seefische sind glücklich angelangt, sondern am 14. dieses speisten wir den letzten, als Beilage zu Teltower Rübchen; der im Augenblick ankommende Kaviar verwandelte die ganze Mahlzeit in Deine Gabe. Soviel wollte kürzlich vermelden. Zugleich auch, daß sowohl »Ballade« als »Klaggesang« zu meiner größten Zufriedenheit vom Inspektor Schütz, den ich ausdrücklich hereinholen ließ, sind vorgetragen worden. Ich finde beide sehr glücklich, wie man bei Wiederholung derselben erst recht gewahr wird.

Wegen der Festgedichte mußt Du Dich noch gedulden; sie wollen teilweise nichts heißen. Auch ist wenig, vielleicht gar nichts zum Gesang zu gebrauchen, da selbst die lyrischen Stellen eigentlich für die Rezitation angelegt sind.

Sonst ist mir manches Erfreuliches widerfahren. Meine Sammlung von Bronzen hat eine lehrreiche Vermehrung erhalten, sowie auch die geschnittenen Steine. Das junge Volk ist munter und wohl, und ich halte mich diesen Winter so ziemlich auf den Füßen, und so sehen wir denn mit einiger Behaglichkeit der wieder herankommenden Sonne entgegen, und somit allen guten Geistern empfohlen!

Weimar, den 18. Januar 1819. G.

Nachschrift.

Das »Wohltemperierte Klavier« soll, wenn es ankommt, auch in duplo willkommen sein: so behalte ich ein Exemplar in der Stadt, und der gute Inspektor braucht das seinige nicht immer von Berka hereinzuschleppen. Das corrigendum im »Klaggesang« ist auch sogleich berichtigt worden.
eodem.

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