25.07.2016

Gedichte von E. Geibel: Die Sängerin (34)



 Die Sängerin

Vor andern kalt zu scheinen
Hab' ich mich längst gewöhnt,
Doch halt' ich kaum das Weinen,
Wenn diese Stimme tönt.

Die goldnen Weisen triefen
Ins Herz wie Vollmondschein
Und ziehn in alle Tiefen
Der Wehmut mich hinein.

Das sind gesungene Tränen;
Es klagt und flutet drin
Das ganze Leiden und Sehnen
Der kranken Sängerin.

Schon brennt auf ihrem blassen
Gesicht ein fliegend Rot;
Sie kann das Singen nicht lassen
Und weiß, es ist ihr Tod.
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