29.07.2016

Gedichte von E. Geibel: In schwerer Stunde (72)



 In schwerer Stunde

Wenn nach des Tags Verbluten weit und breit
Die Finsternis sich schauervoll ergießet,
Daß Berg und Tal in wüstes Schwarz zerfließet,
Da tritt hervor der Sterne Heiterkeit.

Und wenn ein Volk in trotz'gem Widerstreit
Dem gottgesandten Strahl das Herz verschließet,
Um Hütt' und Schloß der Lügen Unkraut sprießet,
Das ist der Seher, der Propheten Zeit.

Herr, sieh gen Himmel uns die Arme strecken!
Hör' unser heißes Flehen früh und spat,
Du wollest einen Retter uns erwecken!

Dies Volk ist irr, und irr der hohe Rat -
O laß ihn nahn im Donner deiner Schrecken,
Die Spreu zu scheiden von der guten Saat!
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