27.07.2016

Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 07.09.1779 (321)


(321) 07.09.1779

Ihre Weste trag ich bey ieder Feyerlichkeit, ich möchte ein ganz Gewand haben das Sie gesponnen und gewürckt hätten um mich drein zu wickeln. Ich schicke Ihnen was von Egmont fertig ist, und alle meine andre Sachen, heben Sie mir sie auf. Da ich zulezt von Ihnen ging schied ich ungerner als Sie mich liessen, denn ich wusste dass ich Sie sobald nicht wiedersehen würde. Wir verreisen und zwar eine gewünschte und gehoffte Reise, wie wir einen Schritt vorsezzen sollen Sie Nachricht haben. Und Sie schreiben mir auch hoff ich. Leben Sie wohl. und recht wohl.

Gestern hab ich der Herzoginn Louise eine Zeichnung von mir gegeben, da ich bey der lezten Ausstellung nichts vorlegen konnte. Sie verzeihen mir die Untreue. Dafür sollen Sie von der Reise manches sehen, wills Gott. Gestern war in Ettersburg Euridice eine Parodie, nach dem Englischen von Einsiedel. es machte sich recht hübsch und Wedel spielte den Orpheus recht brav. Weil doch ieder auf sich zurückkehrt, so hoff ich er soll künftig den Crugantino spielen, so haben wir die ganze Claudine besezt.

NB der Herzog hat Schnaufen, Lynckern und mir den Geheimdenraths Titel gegeben, es kommt mir wunderbaar vor dass ich so wie im Traum, mit dem 30ten Jahre die höchste Ehrenstufe die ein bürger in Teutschland erreichen kan, betrete. On ne va jamaisplus loin que quand on ne scait ou l'on va. Sagte ein groser Kletterer dieser Erde.

Adieu, wenn Sie noch in Kochberg sind wenn wir zurückkommen, seh ich Sie gleich. Grüsen Sie alles. Adieu.

Wir gehen erst künftigen Sonntag also erwart ich noch ein Wort von Ihnen.

Weimar d. 7. Sept. 1779.            G.


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