2016-08-25

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 19.10.1821 (376)



376. An Zelter 19.10.1821

Hier kommen also die »Wanderjahre« angezogen; ich hoffe, sie sollen bei näherer Betrachtung gewinnen; denn ich kann mich rühmen, daß keine Zeile drinnen steht, die nicht gefühlt oder gedacht wäre; der echte Leser wird das alles schon wieder herausfühlen und -denken.

Bei der grenzenlos reichen Bewegung des Elements, worin Du schwebst, könntest Du immer von Zeit zu Zeit ein Blatt vor die Hand nehmen und mir in einem Becher einen Trunk Berliner Lebenslust darreichen.

Von Professor Hegel, der, meiner Farbenlehre günstig, mir darüber geistreiche Worte meldet, habe soeben einen Schüler, Dr. Henning, gesprochen, welcher, gleichfalls für diese Lehre entzündet, manches Gute wirken wird; es wäre wunderlich genug, wenn ich auch noch in dieser Provinz triumphierte.

Ernst Karl Schubarth, der über meine Arbeiten geschrieben, ist gegenwärtig in Berlin; meldet er sich, so begegne ihm freundlich; es kommt ein Büchlein von ihm heraus: »Ideen über Homer und sein Zeitalter«; begegnet es Dir, so greife darnach. Es ist vermittelnd, einend, versöhnend und heilet die Wunden, die uns von dem Raubgetier geschlagen worden.

Noch bin ich in Jena, wo ich abermals ein paar Hefte drucken lasse. Ich habe so vielerlei vorrätig, daß ich mehrere Monate brauche, wenn ich nur alles redigieren will, und das tut man denn nicht eher, bis der Setzer mahnt.

Apoll und den Musen bestens empfohlen.

Treulichst

Jena, den 19. Oktober 1821. G.

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