18.08.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 10.05.1821 (366)



366. An Goethe 10.05.1821

Berlin, Donnerstag, den 10. Mai 1821. 

Die günstige Gelegenheit, Dir einige Worte zu schreiben, soll mir nicht entgehn.

Gestern hat sich unser Herr Boucher nebst Frau abermalen mit vergrößertem Beifalle und bei gefüllterm Hause hören lassen; sein Ton ist in der Tat schön und seine Fertigkeit ganz außerordentlich. Das Kapriziöse in seinem Spiel glaube ich richtig als angeboren erkannt zu haben, denn es ist ohne Affektion und hat was Romantisches, das sich recht gut nachempfinden läßt, wenn auch ich mit diesem Konvolut von Talenten etwas anderes beginnen würde.

In etwa 8 Tagen denke ich nach Leipzig zu gehn und wünschte wohl zu wissen, wo man Dich aufzusuchen hätte. Sei daher so gut, mich mit der nämlichen Gelegenheit einiges darüber wissen zu lassen, denn ohne Dich noch einmal wieder ans Herz zu drücken, mag ich nicht sterben, soviel Lust zum Leben ich auch habe.

Alles sperrt hier wie die jungen Vögel die Schnäbel auf, um Deine Ostergaben einzunehmen.

»Bleibe Du mein Allerliebstes,

Denn Du hast es und Du gibst es«

Deinem

Z.

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