09.08.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 12.04.1820 (336)



337. An Zelter 12.04.1820

Zu beiliegender Hymne wünsche eine wahrhaft Zelterische Komposition, damit solche jeden Sonntags vor meinem Hause chormäßig möge gesungen werden. Käme eine solche im Laufe des Monat Mais an meine Schwiegertochter, so würde sie einstudiert und ich bei meiner Wiederkunft anfangs Juni damit fromm und freundlich empfangen. Der Paraklet walte harmonisch über dem Freund jetzt und immerdar! Weimar, den 12. April 1820.

G.

(Beilage)

Veni creator spiritus

Komm, heil’ger Geist, du Schaffender, 
Komm, deine Seelen suche heim!
Mit Gnadenfülle segne sie,
Die Brust, die du erschaffen hast!

Du heißest Tröster, Paraklet,
Des höchsten Gottes Hochgeschenk, 
Lebend’ger Quell und Liebesglut 
Und Salbung heiliger Geisteskraft.

Du siebenfältiger Gabenschatz,
Du Finger Gottes rechter Hand,
Von ihm versprochen und geschickt, 
Der Kehle Stimm’ und Rede gibst.

Den Sinnen zünde Lichter an,
Dem Herzen frohe Mutigkeit,
Daß wir im Körper Wandelnden 
Bereit zum Handeln sei’n, zum Kampf!

Den Feind bedränge, treib ihn fort, 
Daß uns des Friedens wir erfreun 
Und so an deiner Führerhand 
Dem Schaden überall entgehn!

Vom Vater uns Erkenntnis gib,
Erkenntnis auch vom Sohn zugleich,
Uns, die dem beiderseit’gen Geist 
Zu allen Zeiten gläubig flehn!

Darum sei Gott dem Vater Preis!
Dem Sohne, der vom Tod erstand!
Dem Paraklet, dem wirkenden,
Von Ewigkeit zu Ewigkeit!

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