2016-08-07

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 30.01.1820 (331)



332. An Zelter 30.01.1820

Es ist denn auch gut und der Jahreszeit gemäß, wenn unsere Korrespondenz sich wieder aufeiset, und so vernimm denn folgendes. Bei meiner Rückkunft in Jena erquickte ich mich an dem Schluß Deiner schönen Reise, von deren Ereignissen Du mir so freundlich umständliche Nachricht gabst; ich besorgte daselbst Bibliotheks- und andere Geschäfte und gelangte endlich den 24. Oktober nach Weimar. Daselbst habe ein neues Heft von »Kunst und Altertum«, ingleichen ein anderes »Morphologie« völlig zustande gebracht; dabei mag ich mich mehr als billig angegriffen haben, sonst hätte vielleicht eine Verkältung, die ich mir aus gutmütiger sozialer Nachgiebigkeit zugezogen hatte, nicht so bedeutend geschadet. Vierzehn Tage wurden mir verdorben, und ich gewöhne mich nur erst nach und nach wieder zur Arbeit.

Wir gedenken Deiner und der Deinigen, sooft wir zusammen sind, und meine Kinder haben durch die Gunst der Berliner Freunde einen großen Schatz fürs Leben gewonnen. Dank sei Dir für Deine hausväterliche Sorgfalt.

Nicht mehr für diesmal, damit beikommender »Diwan« die Post nicht versäume. Möge er Dich aufs neue erregen und drängen, daß Du mit musikalischer Fülle dieses doch im Grunde für sich nackte Liederwesen bekleidest und in die Welt, einführst. Übrigens bin ich auf neuem Wege fleißig, und es fördert auch.

Lebe wohl, mein Teuerster!

Weimar, den 30. Jänner 1820. G.

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