07.08.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 23.01.1820 (330)



1820

330. An Goethe 23.01.1820

Berlin, Sonntag, den 23. Januar 1820. 

Eine sogenannte zuverlässige Nachricht aus Weimar über Dein Befinden, welche ich gestern vor acht Tagen erhielt, hat mich so mehr erschreckt, da ich Dir seit langer Zeit Antwort auf Deinem letzten Briefe schuldig bin und daher auch von Dir selbst keine Nachricht haben konnte. So schrieb ich an unsern August, dessen Antwort mich und mein Haus wieder beruhigt.

Von meinen beiden Töchtern, die noch nicht ganz hergestellt sind, war Rosamunde gefährlich krank, und darüber bin auch ich zu nichts gekommen, wiewohl wir täglich eurer gedacht haben.

Gleich nach meiner Zurückkunft von Wien habe ich mein gewohntes Wesen wieder fortgesetzt und erfreue mich an meinen Schülern, von denen ein halb Dutzend hübsche Hoffnungen geben. Daneben ist auch allerlei kleines Werk angefangen, fortgesetzt und vollendet und würde vielleicht noch mehr geworden sein, wenn ich nicht törichterweise meinen »Diwan« an Langermann verkauft hätte, weil Du mir schriebst, daß Du mir ein Exemplar schicken wolltest.

Wir haben jetzt, was sie hier Karneval nennen, doch hat aus meinen Hause noch kein Fuß sich hingetraut, wie mir denn das Wesen in tiefster Seele weh tut, da es, ein reines Nichts, soviel Geld kostet und keinem Menschen Freude macht.

Fürst Radziwill ist von Posen zurück, doch habe ich auch diesen noch nicht gesehn; die Versuche mit seinem »Faust« werden uns aber schon zusammenführen.

Für heut kann ich nichts Weiteres sagen als: laß doch, liebster Freund, mich bald eine Zeile von Deiner Hand sehn.

Dein ewig!

Z.

alle Briefe                                                                                                                                     weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de