07.08.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 23.03.1820 (333)



334. An Zelter 23.03.1820

Die Memorabilien Deiner Sommerreise waren mir so wert, daß ich dachte, sie müßten Dich auch wieder erfreuen; denn wenn Du auch ein recht ordentliches Tagebuch hieltest, so würde solches doch gerade in dem Augenblick nicht so reflexiv und mitteilend gewesen sein. Deswegen nimm es hier wieder und vergib die allenfallsigen Schreibfehler, die ich zu tilgen übersah.

Es erfolgt zugleich auch ein neues Heft »Kunst und Altertum«, wobei wohl einige Artikel Dir zu Sinne gehen mögen. Ich gehe in allem sachte fort, was mich von jeher interessierte, redigiere, sondere, erhalte, was nur gehen will, rufe manches aus den letheischen Überschwemmungen des Lebens wieder herauf und benutze so jede Stunde, die einigermaßen behaglich ist. Sonst lebe in der entschiedensten Abgeschiedenheit und erwarte den nächsten Frühlingshauch, um nach Karlsbad zu gehen, dessen spätem Gebrauche ich einen leidlichen Winter verdanke.

Vor meinem Fenster im Garten drängen sich schon die Märzenglöckchen zur Erde heraus, in kurzer Zeit erwarte ich die Krokus, und dann hoff ich auch selbst diesen Beeten zu entwachsen.

Und hiermit lebe wohl bis auf weiteres.

Weimar, den 23. März 1820. G.

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