04.08.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 07.07.1819 (326)



327. An Goethe 07.07.1819

Karlsbad, den 7. Juli 1819. 

Madame Heiligengötter küßt die Hand und sagt: Ewer Exzellenz werden ihr vor allen lieb und wert sein; sie bekomme sowohl anfangs August als gegen Ende dieses Monats die sonst bewohnten Zimmer offen, doch bitte sie inständigst, von Deiner Ankunft bestimmte Nachrichten zu haben, um sich darnach einrichten zu können. Alles ist in diesem Augenblick ausnehmend besetzt, doch habe ich auf der Stelle ohne alle Anmeldung eine gute Stube neben dem Mühlenbade gefunden. Das Gerassele der Wagen nach Tische und der Zufluß von 4 Uhr an des Morgens zum Brunnen ist groß. An vornehmen Personen fehlt es auch nicht, unter welchen die ci-devants aus Frankreich stark in Betrachtung genommen werden. Vorige Woche war die Kälte erstarrend, und seit 3 Tagen ist die Luft fast glühend. Die verschiedenen Brunnen versuche ich täglich nach der Reihe und tun mir, wie sie Macht haben. Abends wird der neue Komet beobachtet, von dem man guten Wein hofft und sich andere Geschenke verbittet.

Den 10. Juli. Eine schnelle Gelegenheit ließ mich diesen Brief auf der Stelle nicht enden, und Du erhältst ihn nunmehr aus Regensburg, wo ich vor 6 Stunden angelangt bin. Ich sitze am offenen Fenster und lasse die 1000 Fuß breite Donau unter der tüchtigen Brücke sich rauschend durcharbeiten. Morgen bleibe ich hier, und Montag gehe ich mit einem neuen Schiffe stromabwärts auf Wien zu, wo ich’s mir mehrere Wochen will gefallen lassen. Dann wird sich weiter Rat finden, ob ich durch Salzburg und München zurückegehe.

Lebe wohl, mein Bester. Gott erhalte Dich

Deinem Z.

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