09.08.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 01.04.1820 (335)



336. An Goethe 01.04.1820

Berlin, den 1. April 1820. 

Gestern nachmittag, eine Stunde, ehe ich an die Aufführung meiner Karfreitagsmusik gehn wollte, erhielt ich Deinen unschätzbaren Brief vom 23. März mit dem Pakete.

Da ich in den letzten Tagen nur mit dieser Musik beschäftigt gewesen bin, so las ich das eingebundene Manuskript wie ein fremdes, bis ich endlich mit dem fröhlichsten Erstaunen den allerliebsten Spaß erriet, der das Glücklichste war zum Glücklichen, denn meine Musik ging leicht vonstatten und mein Haus war übervoll.

Die Herzogin von Cumberland ließ mich nach der Aufführung kommen, um über Dich die schönsten Worte auszusprechen und Dich tausendmal grüßen zu lassen, indem ich ihr sagen konnte, daß ich eben Deinen Brief erhalten hätte, der die Gewißheit Deines Wohlbefindens enthielt.

Auch unsere Musik ward mit Beifall gekrönt; der Herzog in seiner Loge hatte den Takt dazu geschlagen, eine Arbeit, die Er mit drei Dukaten honoriert hat.

Den 7. April. So lange liegt dieser angefangene Brief, an dessen Fortsetzung ich verhindert wurde. Gestern kommt nun Herr Hauptmann v. Hopffgarten, der mir seine schnelle Abreise von Berlin ankündigt und etwas an Dich Abzugebendes verlangt.

So mögen denn diese paar Worte als Zeichen meines Lebens ihn begleiten; alles übrige kann er Dir mündlich sagen, da wir uns wöchentlich gesehn haben.

Dein

Z.

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