2016-08-09

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 14.04.1820 (337)



338. An Zelter 14.04.1820

Es ist gut, daß man von Zeit zu Zeit aus seinen Umgebungen zu scheiden und aufzuräumen genötigt wird; daher entstehen so die Zwischentestamente unserer Laufbahn. In vierzehn Tagen gedenk’ ich nach Karlsbad zu gehen, und da hab’ ich Dir auch noch einen »Hackert« vorgesucht und sende ihn sauber gebunden. Du hast dem Büchlein Sorgfalt und Sinn abgefühlt, die ich ihm gewidmet und verliehen habe; es ist in dem lieben Deutschland verschollen und mit vielem ändern, Gutem und Nützlichen von den Sandweben des Tags zugedeckt, wird aber immer doch wieder einmal wie der Bernstein ausgeschwemmt oder -gegraben. Habe Dank, daß Du mich daran erinnern wollen.

Manches hast Du indessen von mir erhalten, gib in diesen 'lagen nähere Nachricht. Mich verlangt sehr wieder ins Kreie: denn der vergangene Winter war sehr lästig. Freilich wenn das Frühjahr eintritt, Märzenglöckchen und Krokus hervorbrechen, so begreift man kaum, wie man in dem Schnee- und Eiskerker fortexistieren konnte. Bei euch in großen Städten ist’s freilich anders, da ist das Winterleben das lustigste. Nun gedenke meiner im Guten, wobei ich, um gegen die moralische Weltordnung nicht undankbar zu sein, bekennen muß, daß mir seit einiger Zeit gar manches Gute begegnete.

Das Gleiche wünschend

Weimar, den 14. April 1820.          G.

alle Briefe                                                                                                                                     weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de