2016-08-04

Gedichte von E. Geibel: Lied des Rattenfängers (80)



 Lied des Rattenfängers

Ich kenn' eine Weise,
Und stimm' ich mein Rohr,
Da spitzen die Mäuse,
Die Ratten das Ohr;
Sie kommen gesprungen,
Als ging' es zum Fest,
Die alten, die jungen
Aus jeglichem Nest;
Aus Ritzen und Pfützen, aus Keller und Dach,
Da hüpft es und schlüpft es und wimmelt mir nach.

Und greif' ich mit Schalle
Den Triller dazu,
So scharen sich alle
Gehorsam im Nu.
Sie lüpfen, vom Zauber
Der Töne gepackt,
Die Schwänzelein sauber
Und springen im Takt.
Sie springen und schwingen sich hinter mir drein
Und munter hinunter zum strudelnden Rhein.

Und blas' ich dann tiefer
Die Fuge zum Schluß,
Da rennt das Geziefer
Wie toll in den Fluß;
Da rettet kein Schnaufen,
Kein Zappeln sie mehr,
Sie müssen ersaufen
Wie Pharaos Heer;
Die Welle verschlingt sie mit Saus und mit Braus,
Dann schwing' ich den Hut, und das Elend ist aus.
Alle Gedichte von Geibel                                                                                                         weiter


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de