2016-08-04

Gedichte von E. Geibel: Lied und Ton (81)



Lied und Ton

Verzaubert lag, verschollen,
Dornröschen gleich im Walde tief,
Das Lied auf staub'gen Rollen,
Das Musenkind, und schlief.

Da bricht durchs Dorngestrippe
Mit hellem Ruf ein Königssohn,
Da küßt mit warmer Lippe
Die Schläferin der Ton.

Und sieh, zu raschen Schlägen
Urplötzlich ist ihr Herz erwacht;
Sie hebt sich ihm entgegen,
Ihr Auge weint und lacht.

Vom Lager aufgesprungen
Die Arme strickt sie um ihn her;
Sie halten sich umschlungen
Und lassen sich nicht mehr.

Und auf der Liebe Flügel
 Nun ziehn die beiden treugesellt
Wohl über Strom und Hügel
Hinaus in alle Welt.
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