2016-08-05

Gedichte von E. Geibel: Mein Weg (91)



Mein Weg

Ich hör' es wohl, es rufen die Partein:
»Komm her und woll' uns endlich angehören!
Der rüst'ge Harfner sei zu unsern Chören
Und schling als Kranz dein Lied um unsern Wein!«

Mein ewig Echo bleibt ein ruhig: »Nein!«
Denn zu der Fahnen keiner kann ich schwören;
Den Gott im Busen darf kein Schlagwort stören,
Ich folge meinem Stern und geh' allein.

Dem Wandrer bin ich gleich am Felsenhang,
Dem schroff die Wand sich türmt zur rechten Seite,
Zur Linken braust der See mit dumpfem Klang.

Doch rühr' ich fromm die Saiten, wie ich schreite,
Und oftmals will's mir dünken beim Gesang,
Daß mich wie Kaiser Max ein Engel leite.
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