05.08.2016

Gedichte von E. Geibel: Pause (104)



Pause

Wer will's denn leugnen, daß in unsern Tagen
Ein rascher Pulsschlag sich lebendig regt,
Daß rings ein frischer Geist die Welt bewegt,
Und die Gedanken neue Flüge wagen?

Die Wissenschaft zertrümmert ohne Zagen
Manch dumpfe Schranke, die uns eingehegt,
Der Baum der Freiheit, der schon Blüten trägt,
Verheißt, dereinst uns goldne Frucht zu tragen.

Ein Großes aber mangelt dieser Zeit:
Das eigne Dach und Fach, das mit Vertrauen
Die Brust erfüllt, und drin die Rast gedeiht.

Noch heimatlos, bei Sonn' und Wettergrauen
Sitzt sie auf Trümmern der Vergangenheit
Und Quadern, für der Zukunft Bau gehauen.
Alle Gedichte von Geibel                                                                                                         weiter


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de