2016-08-05

Gedichte von E. Geibel: Regenzeit (106)



 Regenzeit

Geh' ich nach dem ew'gen Regen
Durch den Wald bei früher Zeit,
Ei, wie macht auf allen Wegen
Sich das Volk der Pilze breit!

Zwischen Dorn und Hagebutte
Truppweis auf des Pfades Rand
Stehn sie hier in weißer Kutte,
Dort im braunen Mönchsgewand.

Andre blähn gleich Kardinälen
Sich im flachen Scharlachhut,
Ach, und vollends nicht zu zählen
Ist die schwarzgefleckte Brut.

Dicht geschart und immer dichter
Durchs Revier von Ort zu Ort
Wälzt das schwammige Gelichter
Seine Propagande fort;

Klimmt mit unheimlicher Schnelle
Hügelan aus jeder Schluft,
Haucht von jeder sumpf'gen Stelle
Seinen Brodem in die Luft.

Frischen Sonnenatem sende,
Güt'ger Himmel, send' ihn bald!
Sonst verdumpft uns noch am Ende
Dies Gezücht den ganzen Wald.
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