06.08.2016

Gedichte von E. Geibel: Unruhiger Sinn (123)



Unruhiger Sinn

Es treibt mich stets ein wechselndes Verlangen:
Bald möcht' ich unter meiner Heimat Linden
Am eignen Herd ein schattig Plätzchen finden,
Um dort zu rasten ohne Wunsch und Bangen;

Bald wieder möcht' ich, sonnverbrannt die Wangen,
Des Südens Meer durchschweifen mit den Winden,
Bis ferne, wo die letzten Pfade schwinden,
Der Wüste Palmenschatten mich umfangen.

         Der jähe Wechsel ruht auf einem Grunde;
Zur Heimat leitet mich ein süßes Träumen,
Sie bringe mir ein Wort aus liebem Munde.

Doch bin ich dort, so fühl' ich ohne Säumen:
Noch immer nicht erschien das Glück zur Stunde,
Und wieder such' ich's in den fernsten Räumen.
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