2016-08-06

Gedichte von E. Geibel: Winter (131)



 Winter

Nun weht auf der Heide der scharfe Nordost,
Am Vordach hangt der Zapfen von Eis,
Die Tannen schütteln sich rings vor Frost,
Und Feld und Kirchhof sind silberweiß.
Im Dorf verschneit liegt jeglicher Pfad,
Ein Weg nur führet zur Schenke allein,
Und geh' ich dort grade des Abends spat,
So tret' ich hinein;
O mein Käthchen, mein Mädchen, nun bringe mir Wein!

O liebes Käthchen, nun sing' mir ein Lied
Von der sonnigen, wonnigen Frühlingszeit!
Und wenn erst wieder die Schwalbe zieht,
Dann sollst du schauen, wie hold sich's freit.
Und wenn aufs neu der Winter sich naht,
Da schiert kein Wind uns von Ost und von West;
Am lodernden Herde sitzen wir spat
Im traulichen Nest
Und küssen uns warm und umschlingen uns fest.
Alle Gedichte von Geibel                                                                                                         weiter


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de