07.08.2016

Gedichte von E. Geibel: Zwei Könige (137)



 Zwei Könige

Zwei Könige saßen auf Orkadal,
Hell flammten die Kerzen im Pfeilersaal.

Die Harfner sangen, es perlte der Wein,
Die Könige schauten finster drein.

Da sprach der eine: »Gib mir die Dirn'!
Ihr Aug' ist blau, schneeweiß ihre Stirn.«

Der andre versetzte in grimmem Zorn:
»Mein ist sie und bleibt sie, ich hab's geschworn.«

Kein Wort mehr sprachen die Könige drauf,
Sie nahmen die Schwerter und stunden auf.

Sie schritten herfür aus der leuchtenden Hall';
Tief lag der Schnee an des Schlosses Wall.

Es sprühten die Fackeln, es blitzte der Stahl -
Zwei Könige sanken auf Orkadal.

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