2016-08-11

Gedichte von Gottfried Keller: Das rote Bärbchen (86)



  11. Das rote Bärbchen

Wandl' ich in dem Morgentau
Durch die dufterfüllte Au,
Muß ich schämen mich so sehr
Vor den Blümlein rings umher!

Täublein auf dem Kirchendach,
Fischlein in dem Mühlenbach
Und das Schlänglein still im Kraut:
Alles nennt und fühlt sich Braut!

Apfelblüt im lichten Schein
Dünkt sich stolz ein Mütterlein,
Dieweil schon mit linder Wucht
Ihr im Schoße keimt die Frucht.

Gott! was hab ich denn getan,
Daß ich ohne Lenzgespan,
Ohne einen süßen Kuß
Ungeliebet sterben muß?
alle Gedichte von Keller                                                                                                              weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de