2016-08-18

Gedichte von L. Eichrodt: Allzeitwunsch (3)



Allzeitwunsch

In dieser wunderbaren Zeit
Wo man zerstört und baut,
Da hab ich viel gezweifelt
Und habe viel vertraut.

Von Mitteln hört ich und vom Zweck,
Von Recht und Unrecht stets,
Von Recht und Rechtsgefühlen,
Moral und Rechts-Gesetz.

Man schied Geschichte und Vernunft,
Sprach von Altar und Thron,
Von Wahrheit und von Freiheit,
Man sprach von Religion.

Ich sah, was gut und böse sei,
Und wünschte Jenem Heil,
Doch ward uns ohne Dieses
Auch Jenes nicht zu Theil.

Ich sah die Ohnmacht, sah die Kraft,
Trägheit und Eifer viel,
Und Ziele sonder Wege
Und Wege sonder Ziel.

Gott helf uns Allen, sagte man
Zur guten alten Zeit,
Es sagen: hilf dir selber,
Wohl heutzutag die Leut.

Ach, wenn ich einmal wünschen darf,
So wünsch ich Eines nur:
Sie niemals zu verläugnen
Die eigenste Natur!

alle Gedichte v. Eichrodt                                                                                                           weiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Nachrichten an:

geologe.ef@gmx.de