21.08.2016

Gedichte von L. Eichrodt: Die Braut (27)



 Die Braut

So sitz ich am Morgen,
Bei Tag und Nacht,
Und geb auf die flüchtigen
Wellen Acht.

Die Wellen, sie kommen,
Sie bleiben, sie gehn,
Doch keine läßt wieder
Den Freund mich sehn.

Und bin ich zu Hause,
So treibts immer mehr
Zum Platze, dem grausigen,
Aermste mich her.

Die Wellen, sie wandern,
Sie kommen und nahn,
Es bringet mir keine
Den Freund heran.

O bin ich so einsam,
Verlassen allein!
Mein Liebster muß ewig
Verloren sein.

Es brüllte der Donner,
Es tobte der Bach,
Die Brück ist geborsten,
Er stürzte so jach.

So ist er versunken
Ins nasse Grab,
Doch muß er noch kommen
Zu mir herab.

Nun schau ich ins Wasser,
Sitz hin und harr,
Wann kommt sie die Leiche
So bleich und starr?

O schäumet ihr Wasser,
Nimm auf mich du Bach,
Und treibt mich dem Freunde,
Dem liebenden nach!
     Dem Todten

Schwestern helft mir tragen
Meinen großen Schmerz,
Oder laßt mich klagen
Wie ein redlich Herz!

Nimmerwiederbringen
Könnt ihr mir den Freund;
Will mich schon bezwingen,
Hab ich ausgeweint.

Leben einzuhauchen,
Euerm Trost gebricht;
Aus den lieben Augen
Flamme losch und Licht.

Von den lieben Wangen
Floh das muntre Roth –
Er ist hingegangen
In den bittern Tod.

Herrlich und in Freuden
Lebten Herz und Geist,
Wußten nicht, was Leiden
Und Entbehren heißt.

In uns selber fanden
Wir Ersatz und Lust,
Lust und Hoffnung schwanden
Nimmer aus der Brust.

Darum will ich klagen,
Darum traurig sein,
Denn in künftgen Tagen
Weiß ich mich allein.

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