21.08.2016

Gedichte von L. Eichrodt: Ein Lebtag (31)



Ein Lebtag

Wir lagern in dem grünen Gras,
Wir ruhn im goldnen Sonnenschein,
Es blitzt der Wein im grünen Glas,
Es blitzt vom Aug der goldne Wein.
Abwechselnd Küsse geben
Dem Liebchen und den Reben,
Die Herzen und die Becher voll,
Ja – ja das heiß ich Leben!

Uns blaut der Himmel ins Gesicht,
Der laute Strom erquickt das Ohr,
Uns malt der Ferne Zauberlicht
Gar wunderselge Träume vor.
So Arm in Arm geschlungen,
Von Lieb und Wein durchklungen,
Sei durch den grünen hallenden Wald
Der Freude Preis gesungen.

Hört ihr das milde Säuseln schon?
Es kündet schattenvolle Ruh,
Es wispert durch die Buchenkron
Und küßt im Gras die Blumen zu,
Es rauschet auf und nieder
Wie singendes Gefieder,
Das sind der Tageskönigin
Schauersüße Schlummerlieder.

Und vor uns glüht der Himmel auf,
Auch wir sind rosig überhaucht,
Vollendet ist der Sonnenlauf!
Der große Stern ins Meer getaucht.
Die letzten Perlenfunken
Zum Scheidegruß getrunken!
Füllt an, füllt an, uns hat das Licht
Auf Wiedersehn gewunken.

Schaut um und auf! im tiefen Blau
Der goldne Brachmond schwimmt heran,
Er wandelt durch die Sternenau
So leuchtende verschwiegne Bahn.
Steht auf, steht auf, Genossen!
Die Nacht ist ausgegossen –
Den kühnen Wünschen in der Brust
Die Herzen aufgeschlossen!

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