21.08.2016

Gedichte von L. Eichrodt: Elegie (36)



  Elegie

Jüngst schaute von Tages Lasten
Ich müd in den Abend hinein,
Die glühenden Strahlen verblaßten
In milden Mondenschein;
Und hoch am Himmelsbogen,
Aus Dämmrung tauchend empor,
Kam friedlich angezogen
Der Sterne goldner Chor.

Mit sittigem Schlummerhaupte
Schließt sich die Blume zu,
Der Baum der duftig belaubte
Die Blätter senkt zur Ruh;
Des Abends liebliche Stimmen
Umspielen der Haine Grün,
Die fernen Berge verschwimmen
In sanftes Dunkel hin.

Des Sommers Herrlichkeiten
Noch sprüheten in die Natur,
Des Lebens Sterne bestreuten
Mit Segen die stille Flur –
Und jetzt, da ich trete wieder
Ans traute Fenster her,
Und schaue zur Erde nieder,
Liegt sie verwaist und leer.

Des Herbstes Güter prangen
Nicht mehr am reichen Ast;
Festklammernd, kahle Stangen
Vorm Sturme die Reb umfaßt –
So will der Mensch sich halten
Am armen Menschenkind,
Wenn wilde Geschicke schalten
Und nicht zu wenden sind.

Der Tod ist kalt und eisig,
Er kommt in des Winters Kleid –
Der Lorbeer wird zum Reisig,
Der für die Unsterblichkeit.
Die Kränze für dein Streiten
Wie schmückten sie dich schön!
In ewge Vergessenheiten
Entblättert im Tod sie gehn.

Was willst du müde Seele
Und ringst nach Lieb und Licht?
O Menschenseele quäle
Dich um Verlornes nicht!
Du greifst darnach mit Händen,
Freust dich am Lebensroth –
Bald wird es dich verblenden
Und du bist blind und todt.

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