21.08.2016

Gedichte von L. Eichrodt: Für Namenstage (44)



 Für Namenstage

Ist es nicht Verwegenheit
Einen Namenstag zu feiern,
Ein Gedicht herunterleiern
Und mit Selbstgenügsamkeit
Seinen Antheil drin betheuern?

Freilich ist es viel gewagt.
Denn was soll an solchen Tagen
Anders mehr der Kluge sagen,
Als daß nun der Tag getagt,
Im Kalender nachzuschlagen?

Wahrlich, namenlose Pein
Auf den Namenstag zu singen,
Ihm Gedanken abzuringen!
Darum in den Tag hinein
Muß der gute Sänger singen.

Und er merket sich den Rath,
Und er mag hier ohne Zaudern,
Sonder Etiketteschaudern,
Was er auf dem Herzen hat
Mit Gelegenheit verplaudern.

So zum Beispiel: schöne Frau,
Freund, o bester, Sie verzeihen,
Theures Mädchen, Ihnen weihen
Möcht ich – Freund, ja mir vertrau,
Willst du mir zwei Hundert leihen?

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