23.08.2016

Gedichte von L. Eichrodt: Liedchen (67)



Liedchen

Schau ich mein liebes Mädchen an,
Steht mir das Wünschen fern,
Kein Unfried kommt an mich heran,
Und Alles thu ich gern.

Sie spricht zu mir, ich liebe dich!
Was ist, was klingt so süß?
Und schwiege sie, es triebe mich
Wie aus dem Paradies.

Dann lief ich in der Welt herum
Gedankenlos und krank,
Als wie ein Fisch so stumm und dumm,
Als wie ein Rohr so schwank

Der Himmel wäre nicht mehr blau,
Ein Schreck mir Trank und Speis,
Der Sommer als ein Winter rauh,
Der Winter sommerheiß.

Die rothen Rosen abgeblaßt,
Ein Aschenrauch das Licht,
Und ganz abscheulich, ganz verhaßt
Ein Menschenangesicht.

Wie froh bin ich, wie hochbeglückt,
Sie hat mich nie gekränkt,
Sie hat mir einen Strauß gepflückt
Und einen Kuß geschenkt.

Nun bin ich stark und stolz und reich,
Ich möchte Riesen stehn,
Ich glaub, ich wollte sterben gleich,
Müßt es um sie geschehn!

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