24.08.2016

Gedichte von L. Eichrodt: Romanze (83)



 Romanze

Darf ich einmal dein genießen
Ohne Trennungsschmerz?
Werd ich dich, Geliebte, schließen
Endlich an dies Herz?
Kaum daß ein gestohlner Kuß
Noch uns Glücklichen vergönnet,
Da nach ewigem Genuß
Unsre Seele brennet.

Aber du, Geprüfte, Theure,
Bleibest treu gesellt,
Wenn ich durch die Klippen steure
Und der Kahn zerschellt –
Stehst du rettend auf dem Stein,
Händereichend, denn ich zähle
Auf dein kühnes Herz allein,
Deine große Seele.

Stille, Mädchen, deine Zähren,
  Große Lieb ist kühn!
Hero und Leander wären
Bloße Phantasien?
Hero und Leander war!
Und gewiß, auch heutgen Tages
Gibt es Liebe und Gefahr,
Herzen ihres Schlages.

Wer ist gegen uns verschworen?
Kleinmuth fahre hin!
Wer nicht wagte war verloren
Stets von Anbeginn.
An der Liebe nur, getrost,
Halte fest mit deinem Herzen,
Und sein Frühlicht haucht der Ost
In die Nacht der Schmerzen!

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