28.08.2016

L.Eichrodt: Das Buch Biedermaier- Napoleon in Rußland (27)




Napoleon in Rußland

Um die Herrschaft auf der Erde
Hub mit seinem Siegerschwerdte
Und mit fürchterlichem Droh'n
Endlich sich Napoleon:
Wie der Sturmwind mit dem Meere
Zog der ruhmgekrönte Held
Mit dem ungeheuren Heere
Gegen Rußland in das Feld.

Und sie konnten sich nicht helfen
Wie die Schafe vor den Wölfen
Floh das tapfre Russenheer
Land und Städte wurden leer.
Niemand sah man in den Straßen,
Schier ganz Moskau war entfloh'n,
Zwar erstaunt, doch sehr gelassen
Schritt herein Napoleon.

Ney, des Heeres Allerbester,
Orden trug er schier ein Sester,
Ritt an seiner Seite hin,
Denn der Kaiser liebte ihn;
Und es ließ die Stimm' erschallen
Jetzt zu Ney Napoleon,
Ney, es will mir nicht gefallen,
Meinst Du nicht, es brenzelt schon?

Welch' ein übertriebnes Feuer!
Das sind keine Freudenfeuer!
Das ist Moskaus großer Brand,
Wie er in der Zeitung stand.
Seht, in Millionen Flammen
Schlägt er über jener Stadt
Und Napoleon zusammen,
Eh' er sich's vermuthet hat.

Zehnmalhunderttausend Reiser,
Stürzen nicht, wie Moskaus Häuser,
Nicht mit solchem Krachen ein;
Feuer löset das Gestein,
Feuer packt das Holz entsetzlich.
Feuer ras't in jedem Haus,
Feuer jagt die Feinde plötzlich
Sammt Napoleon hinaus.

Dieser flieht und schaut zum Himmel:
Vor ihm ist ein Schneegewimmel,
Hinter ihm die Feuersbrunst,
Dies erschöpfet seine Kunst.
Solches hat er nie vernommen:
Vorne heiß und hinten kalt!
Ei, da muß zu Schanden kommen,
Auch der Allerstärkste halt.

Hunger, Durst mit weiten Nachen
Stürzen wie ergrimmte Drachen,
Deren Magen groß und leer,
Lechzend auf sein stolzes Heer;
Und ein Frost ergreift die Schaaren,
Schnee bedecket Alles weiß,
Die am Abend Menschen waren,
Standen Morgens da als Eis.

Die verfolgten Krieger weichen.
Einmalhunderttausend Leichen
An der Beresina Strand,
Der erschrockne Russe fand.
Denn sie bauten eine Brücke,
Drängten sich in wildem Lauf,
Traten dreimal sie in Stücke,
Gingen so schier Alle drauf.

Oberst Müller hat's gesehen,
Er kann kühn als Zeuge stehen,
Für den fürchterlichen Tag,
Weil er mit im Felde lag.
So erfroren Frankreichs Krieger
Und es floh Napoleon,
Der bezwungne Weltbesieger,
Schaudernd kaum allein davon.

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