04.09.2016

Gedichte von J.Kerner: Der bange Traum (33)



Der bange Traum

An Kreh.

Von wilden Meereswogen
Sah ich uns fortgezogen,
Bei Nacht im Traume bang.
Das Meer hieß: Meer der Mängel,
Zwei Kinder, lieb wie Engel,
Dein Vaterarm umschlang.

Wie war der Himmel düstern!
Aus Wolken hört' ich flüstern:
»Laßt doch die Kindlein los!
Ihr wohl schwimmt in der Trübe,
Die aber nimmt die Liebe,
Dies Eiland dort in Schoß.«

Ich hört' dich weinen, klagen,
Doch ferne sah ich tagen
Ein Eiland licht und warm.
Es türmt sich Well' auf Welle
Und riß die Kinder schnelle
Dahin aus deinem Arm.

Ich sprach: »Laß uns nicht weinen,
Vergönn' den lieben Kleinen
Dies Eiland voller Pracht.«
Da ward das Meer noch trüber,
Und wir – wir rangen, Lieber!
Jahrlang in seiner Nacht.

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