2016-09-29

Gedichte von J.Kerner: Winterklage (141)



          Winterklage

Wann in lichten Sommertagen
Leiden dieses Herz getragen,
Schlug es bald am Wiesenbach,
   Bald in Waldesdämmerungen,
Wo die Nachtigall gesungen,
Mildern Melodien nach.

Jetzt in trüben Wintertagen,
Ach, wer stillet seine Klagen?
Nachtigall und Wiesenbach?
Wiesenbach ruht eng gebunden,
Nachtigall hat Tod gefunden,
Singt nicht mehr die Blumen wach.

Blumen auch sind rings verdorben,
Mutter Erde ist gestorben,
Und ihr Kind verwaist, allein.
Einsam blickt's in blaue Ferne,
Komm! so rufen alle Sterne,
Hier ist ew'ger Maienschein!

Herz, so hör' denn auf zu schlagen!
Sieh! in diesen trüben Tagen
Singt kein Vogel, wallt kein Bach.
Willst dich nicht gefangen geben,
Treibst mit schmerzlich bangem Beben
Eine Well' der andern nach!
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