2016-09-01

L.Eichrodt-Lieder des Buchbinders Horatius Treuherz- Zur Enthüllungsfeier des Christian Maier'schen Denkmals (15)



 Zur Enthüllungsfeier des Christian Maier'schen Denkmals

Heil! der Mitwelt ist gelungen
Was die Vorwelt kaum gedacht,
Maier ist in Stein gesprungen
Aus der finstern Grabesnacht,
An dem städt'schen Wassergraben
Zum Genuß dem ganzen Land,
Er, der Größte, den wir haben
Aus dem Deputirtenstand!

Ausgezeichnet war sein Wirken,
Wie er selbst auch in Person,
Dieses kann gottlob verbürgen,
Von dem Staat das Lexikon,
Welches wirklich überschüttet
Ihn mit beispiellosem Preis,
Und, obschon er sich's verbittet,
Dennoch es zu schätzen weiß.

So besonders in der Kammer
Seine Reden klein und groß,
Wo er für des Volkes Jammer
Zog auf die Regierung los;
Doch sie konnten ihn nicht leiden,
Weil er Alles sagte grad,
Mußten ihn jedoch beneiden
Wegen seiner großen Schwad.

Niemand hat sich so erprobet,
Als des Fortschritts edler Sohn,
Und mit solcher Wuth getobet
In der Opposition,
Darum ward ihm auch genommen
Seine schöne Professur,
Und um den Verdienst gekommen
Ist er fast durch die Censur.

Gleichwohl wußt' er brav zu fristen
Weib und Kind die Existenz,
Niemals ließ er sich gelüsten
Ordensstern und Excellenz,
Lieber krank an Leib und Seele
Und mit einem Fuß im Grab',
Fiel der Mann von seiner Stelle,
Als von seinem Grundsatz ab.

        Kurz und gut, sein hohes Streben,
Galt dem Volke ganz allein.
»Lieber«, sprach er, »gar nicht leben,
Als ein Bureaukrat zu sein,
Denn von den servilen Tröpfen
Hab' ich stets mich abgewandt,
Lieber hängen mich und köpfen
Für das deutsche Vaterland!«

Und er wich von seinem Pfosten
Nie zu seiner eig'nen Schand,
Hat auf seines Herzens Kosten
Nie gebildet den Verstand.
Jede Zeitung, jede Zone
Richtet' sich nach seiner Uhr,
Destowen'ger nichts der Krone
Rieth er stets zum Besten nur.

Darum auch so viele Essen,
Hielt man diesem Mann zum Dank,
Darum hat er auch besessen
Einen großen Nußbaumschrank,
Einen Schrank mit Glas, darinnen
Er die Becher aufbewahrt,
Die, zu ehren sein Beginnen,
Sich das Volk am Mund erspart.

Lang schon hätt' es sich gehöret,
Und wahrhaftig nicht erst jetzt,
Daß, was Jeder heiß entbehret,
Daß ein Denkmal ward gesetzt,
Länger durfte man nicht schweigen,
Und so kam man alsgemach,
Wie das Bildniß kann bezeugen,
Dem Bedürfniß wirklich nach:

Nein! ein Mann, wie Der gewesen,
Findet sich nicht alle Tag,
Was man auch von andern Größen
Unbegreiflich's sagen mag!
So ein Mann, ein vielgeplagter,
So gemein und grundgescheidt,
So ein Mann von dem Charakter
Und von der Persönlichkeit!

Doch er ist nicht ausgestorben,
Denn er lebt im Denkmal fort,
    Das er sich mit Recht erworben,
Auf mein heilig Ehrenwort!
Denn er lebt in seinen Söhnen
Und in unsern Herzen noch,
Darum laßt zum Schluß ertönen
Ihm ein dreifach Lebehoch!

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