04.10.2016

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Goethe 19.07.1823 (412)



412. An Goethe 19.07.1823

Berlin, den 19. Juli 1823. 

Die gute Gelegenheit durch den Maler Herrn Hensel, Dir ein Zeichen meines Lebens zu geben, möge nicht ungenutzt hingehn.

Der junge Mann geht nach Italien und will nicht sein Vaterland verlassen, ohne vorher Dein Angesicht gesehn zu haben.

Als ich das letztemal in Eger war und Herr Karl Huß mich mit vieler Güte seine hübschen Sammlungen sehen ließ, erklärte er, daß ihm ein Jeton der Berliner Königlichen Akademie fehle. Ob ich ihm versprochen, mich dafür umzutun, weiß ich selber nicht mehr, doch nahm ich mir vor, ihm dergleichen zu senden, sobald ich nach Berlin zurückkäme. Dies war jedoch nicht so leicht, als ich mir gedacht hatte, denn es war nirgends mehr eine[r] vorhanden, weil man in neuern Zeiten keine mehr gibt; die alten waren eingeschmolzen. Endlich hat ein alter Münzwardein mir anfolgende beide verschafft, die ich recht gut habe bezahlen müssen, und nun bist Du wohl so gut, diese beiden Stücke, welche ich Herrn Hensel mitgebe, in Empfang zu nehmen und in meinem Namen an den guten Huß abzuliefern. Sollte er unterdessen von anderer Hand Exemplare erhalten haben, so kann er sie ja als Dubletten annehmen; ich bin froh, dieser kleinen Obliegenheit loszusein.

Obgleich Doris fort ist, so ist mein Haus dennoch von Kindern und Kindeskindern belebt, die mich eben besuchen und sich in Doris’ Stube einquartiert haben.

Unser Schauspieler Wolff, der mit Hensel reiset, wird Dir aus Berlin vermelden können, was man weiß oder sagt, und so lebe denn, was das Zeug halten will; ich gehe hin und tue desgleichen.

Dein

Zelter.

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