2016-10-01

Gedichte von A. Blumauer: An das neue Jahr (3)



An das neue Jahr

1783.

Warum, o neues Jahr! soll ich
Mich deiner Ankunft freuen?
Man weiß ja niemals, soll man dich
Mehr wünschen, oder scheuen.

Du trittst, ohn' anzuklopfen, ein,
Und setzest fest dich nieder,
Und trollst dich, um recht grob zu sein,
Auch ohne Urlaub wieder.

Man heißt mit freudigem Gesicht
Dich überall willkommen,
Und doch verräth dein Anblick nicht,
Ob du als Freund gekommen.

Was hilft es uns, wird gleich von dir
Ein eigen Buch geschrieben,
Wir wissen doch nicht, sollen wir
Dich hassen oder lieben.

Gleich bei dem ersten Kompliment
Fängst du schon an zu blasen,
Und machst zugleich uns ein Präsent
Mit Frost und rothen Nasen.

Da kommt Lakey, Friseur, Barbier
Mit dir in's Haus gelaufen,
Die uns den kleinsten Wunsch von dir
Um baares Geld verkaufen.

Kaum bist du da, so figurirt
Dein Nam' auf allen Thüren,
Und was gedruckt, geschrieben wird,
Muß deinen Namen führen.

Ja mache dich nur breit damit:
Die nomina Stultorum
Schreibt man, damit sie jeder sieht,
In quodlibet locorum.

Du lässest dich das neue Jahr
Von Menschen tituliren,
Und kannst doch weder graues Haar,
Noch Jungfern renoviren.

Du machst die Damen und die Herr'n
In ihrem Ehstand kälter,
Auch sieht dich nie ein Mädchen gern,
Du machst es ja nur älter.

Nein, unser ein's ist nicht so toll,
Dich vor der Hand zu preisen;
Verdienst du es, so wird sich's wohl
Am Ende schon noch weisen.

Und juckt's dich denn nach Lob so sehr,
So laß dich's nicht verdriessen,
Uns deinen ganzen Kram vorher
Ein Bischen aufzuschliessen.

Sag' an, wird heuer Korn und Wein
Und Kraut und Kohl gedeihen?
Wird uns dein Lenz mit Sonnenschein
Zu rechter Zeit erfreuen?

Wird man nicht über deine Pflicht
Dich hageln seh'n und blitzen?
Und werden wir im Sommer nicht
Wie Kälberbraten schwitzen?

Wirst du dich weigern, dann und wann
Die Felder zu begiessen,
Und werden wir um Regen dann
Dich wieder bitten müssen?

 Und wenn du regnest, wird dir's da
Nicht etwa gäh behagen,
Die Herren all', en Chapeau bas,
Vom Graben wegzujagen?

Wirst du mit uns am Ende, wie
Dein toller Bruder, spassen,
Und uns mit Blitz und Donner, wie
Der Grobian, verlassen?

Und was an dir politisch ist,
Sprich, wird uns das auch frommen?
Es wird ja wohl der Antichrist
Mit dir nicht etwa kommen?

Wird heuer, wie die Sage geht:
Ein Hirt und Schafstall werden?
Sag' oder ist der Herr Prophet
Das einz'ge Schaf auf Erden?

Wird Aberglaube die Vernunft
In Wien noch lang bekriegen,
Und wird die Wahrheit bald die Zunft
Der Eiferer besiegen?

Sag' an, wird's bei den wenigen
Apostelbriefen bleiben,
Und wird kein Bischof mehr so schön
An seine Schäflein schreiben?

Wird Pater Fast denn hier fortan
Im Amt der Sendung schmieren,
Und wird man den geplagten Mann
Nicht einmal jubiliren?

Wird Pater Pochlin, um in Eil
Die Gegner zu verjagen,
Noch ferner mit dem Fleischerbeil
Nach ihren Stirnen schlagen?

Wird unser Pöbel, groß und klein,
Noch immerfort in Haufen
Mit gleicher Lust zum Rabenstein,
Und in die Hetze laufen?

Wird er noch stets in's Schauspiel geh'n,
Um da mit allen Vieren
Dem Purzelbaum des Sterbenden
Im Stück zu applaudiren?

Sag' an, wird uns're Scriblerschaar
Das Sudeln nicht verdriessen,
Und werd' ich länger, als dies Jahr,
Sie recensiren müssen?

Erfüllest du dies alles hier
Nach Wunsch vor deinem Ende,
So preis' ich dich, und klopfe dir
Mit Freuden in die Hände.

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