2016-10-27

Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 25.10.1780 (434)



(434) 25.10.1780

Wir hören dass Sie nicht wohl sind, und es vermehrt diese Nachricht iedes Übel an dem wir kranck liegen, sagen Sie uns nur ein Wort, wir brauchen Trost.

Hier leben die Menschen mit einander wie Erbsen in einem Sacke, sie reiben und drücken sich, es kommt aber nichts weiter dabey heraus, am wenigsten eine Verbindung. Knebel ist sehr gut.

Gestern ward Robert und Kalliste gespielt lassen Sie Ihre Correspondentinnen drüber sprechen.

Hier schick ich Süsigkeiten, sonst fehlt mirs an allem ausser an Gedancken.

Stein wird erst auf eine Pferdeiagd ausgehn wie ich höre, und dann erst zu Ihnen, dann wird noch eine Weile draussen gekramt werden und so kommen Sie immer nicht. Es wäre doch besser für Sie und uns. Dass Lingen neulich meine Trauben süs schmeckten, ist kein Wunder, sie sind durch dreyer Verliebten Hände gegangen eh sie zu ihrem Munde kamen.

Grüsen Sie Frizzen.

Mit dem Rahmen haben Sie vergessen mir die Kupfer zu schicken, ich kan nicht fortfahren.

Adieu beste behalten Sie mich lieb. Mein Vater ist sehr kranck.

Mit Mercken hab ich einen sehr guten Tag und ein Paar Nächte verlebt. Doch macht mir der Drache immer bös Blut, es geht mir wie Psychen da sie ihre Schwestern wiedersah.

Der Herzog ist recht vergnügt rasch und wohl, das ist das beste in der ganzen Sache. Dencken Sie doch an das was wir wegen der Herzoginn Badreise gesprochen haben.

Ich habe den Mädgen Bodens Stück zu lesen gegeben, die wollen Ihm die Augen auskrazzen, dass er ihnen solche Masken zu denckt. Es ist doch unerhört! So ein Mangel an Beurtheilung.

Grüsen Sie Lingen.

Gott erhalte Sie. Addio.

d. 25. Oktbr. 80.              G.
 



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