2016-12-23

Gedichte v. L.F.G. Goecking: An den Harz (11)





     An den Harz

Alle Jäger sind dir gut,
Um der Sechszehnender willen;
Aber sollt' ich wohl durch Blut
Meines Magens Wünsche stillen?
Trieb zum Leben wird so gut
Einen Hirsch, als Dichter füllen.
Da ich selbst ein wenig viel
Aus dem Stündchen Leben mache,
Treib' auch meinethalb ihr Spiel,
Wie der Keuler, so die Bache;
Denn der Thiere froh Gewühl
War von jeher meine Sache.
Selbst den Fürsten bist du lieb,
Lieb um deiner Berge willen,
Die mit Gold das weite Sieb
Ihrer Habsucht nimmer füllen.
Ohne Gold nehm' ich vorlieb;
Wer es hat, hat viele Grillen.
Was kein Andrer haben mag:
Blumen, Moose, Schwämm' und Kräuter,
Gibst du, Harz, mir Tag für Tag;
Auch verlangt mein Herz nichts weiter;
Denn mir macht ein Trinkgelag
Stirn und Auge kaum so heiter.
Auf den Bergen steigt und fällt,
In der reinern Atmosphäre,
Meine Brust so leicht, und hält
Nur Zufriedenheit für Ehre,
Gleich als wenn bereits die Welt
Um mich her versunken wäre!
Kommt der Mond noch obenein
Durch die Dämmerung geschwommen,
Ist's, als würde mein Gebein
Von dem Boden aufgenommen,
Und als zög' ich lebend ein
In das stille Land der Frommen.
Welch ein Leben! Ist doch mir
Ach! so wohl an Seel' und Leibe!
Wem gebührt mein Dank dafür?
O, nächst Gott, so lang ich's treibe,
Dank' ich's, Harz! zur Hälfte dir,
Und zur Hälfte meinem Weibe.
       
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