10.12.2016

M.G.Lichtwer-Fabeln- Der Löwe und der Affe (10)



Der Löwe und der Affe

Der Tiere Groß-Sultan, der Löwe, wollte sich
auf langes Bitten seiner Bassen
zum Trost der Nachwelt malen lassen.

Ein Affe ward geholt, der keinem Dürer wich,
den Pinsel nach der Kunst zu führen.
Er war ein Maler und Poet
und ganz vollkommen im Schattieren,
er malt die rauche Majestät
in vollem Harnisch, auf dem Throne,
zum Füßen lagen Schild und Speer,
Karthaunen standen um ihn her
und hinter ihm Mars und Bellone.

Wer ist das? sprach der Groß-Sultan,
als er das Bild bekam. Der Kaiser aller Tiere,
wer? Ich? Was geht dies Bild mich an?
Ich bin ja nicht von Erz, wo siehst du, daß ichs führe?
Erz ist der Helden Tracht, war Maler Affens Wort.

Wer ist der wilde Kerl, fuhr drauf der Großherr fort,
der dort die Augen so verkehret?
Das ist der Kriegsgott Mars. Wer? frägt er noch einmal,
der Mars! hab idi doch nie vom Kriegsgott Mars gehöret.
Wer ist das dicke Mensch von Stahl?
Die Göttin alles Kriegs, Bellona, kurz zu melden,
der Helden Schutz und Führerin.
Du bist ein Narr mit deinen Helden,
mit deinem Kriegsgott Mars und deiner Kriegerin.
Laß, sprach der Groß-Sultan, das Erz herunterschaben,
ich will ein Löwenbildnis haben.

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