11.12.2016

M.G.Lichtwer-Fabeln- Don Quichotte und Sancho Pansa (25)



Don Quichotte und Sancho Pansa

     Versehn mit Harnisch, Helm und Speer,
kam einst von Montiels Gefilde
der Held von Mancha mutig her,
sein Sancho folgte mit dem Schilde.

Welch Abenteuer steht bevor
und bringt ihm neue Lorbeerreiser?
Ists eine Windmühl? Ists ein Mohr?
Ein Eseltreiber oder Kaiser?

Sie ritten lange hin und her,
eh sie ein Abenteuer hatten,
doch endlich sah von ohngefähr
der Ritter seinen eignen Schatten.

Mein Sohn! rief er, hier ist Gefahr,
sieh einmal nach der linken Seite,
wie, Sancho, wirst du nicht gewahr,
daß neben mir ein Geist herreite?

Er stieg vom Roß, der Schatten auch,
er zieht das Schwert, der Geist desgleichen,
er haut und sticht auf Kopf und Bauch,
der Geist vergilt ihm Streich mit Streichen.

Er balgte sich noch lange Zeit,
bald wich der Geist, bald kam er wieder,
der Abend endigte den Streit,
der Sieger setzt sich müde nieder.

Herr, fragte Sancho, ist er tot,
so kommt, daß wir den Rumpf begraben?
Tor! sprach der Ritter und ward rot,
wer sagt, daß Schatten Leiber haben?

   Ein Schatten? sagte Sancho, gut!
Mit Schatten habt Ihr Euch geschlagen?

Wer eine Torheit wissend tut,
was soll man von dem Manne sagen?

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