2016-12-10

M.G.Lichtwer-Fabeln- Unter eines Kirschbaums Schatten (23)



         Unter eines Kirschbaums Schatten

hielten zwei Kaninchen Rast,
zwei Kaninchen, Wirt und Gast,
und als sie geruhet hatten,
scherzen sie im Gras herum,
treten manches Blümchen krumm,
das erst gestern aufgeblühet,
hüpfen hin und hüpfen her,
bis der Gast von ungefähr
über sich was Fremdes siehet.

Gleich hebt er den Kopf empor,
macht ein Männchen, spitzt das Ohr
und erblicket einen Schützen,
zwar von Stein (das wußt er nicht),
der sein Rohr auf ihn gericht,
um ihn auf den Pelz zu blitzen.
Unserm Häschen wird so heiß,
daß es nicht zu bleiben weiß.

Endlich merkt es sein Geselle,
Freund! rief er, was soll das sein?
Jagt dir etwas Schrecken ein?
Freilich grauet meinem Felle
vor dem Jäger, der dort liegt.

Ach! sprach jener, sei vergnügt,
der hat keinen ausgerottet.
Wisse, dieser böse Mann,
zielt, solang ich denken kann.

Zorn mit Ohnmacht wird verspottet.

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