2017-01-24

Gedichte v. E.Toller: Nächte (9)





    Nächte

Die Nächte bergen stille Weinen,
Es pocht wie schüchtern Kindertritt an deine Wand,
Du lauschst erschreckt: Will jemand deine Hand?
Und weißt: Du reichst sie nur den Steinen.

Die Nächte bergen Trotz und Stöhnen,
Und wilde Sucht nach einer Frau,
Die Not des Blutet bleicht dich grau.
Auf Träumen blecken Fratzen, die dich höhnen.

Die Nächte bergen niegesungne Lieder,
In Nachttau blühn sie, samtne Schmetterlinge,
Sie küssen die verborgnen Dinge,

Du willst sie haschen und sie sind verweht.
Kein Weg ist, der zu ihnen geht.
Nie hörst du ihre Melodien wieder.

Gedichte v. E.Toller                                                                                                                    weiter



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