02.01.2017

Gedichte v. L.F.G. Goecking: Der Winterabend (33)



Der Winterabend

Vor einer Reise zu Nantchen.

Welch ein Wetter! – Soll ich fort?
Oder soll ich bleiben?
Wie die düstern Wolken dort
Sich einander treiben!
Wie der Knopf am Kirchenthurm'
Schwankt auf seiner Stange!
Horch! wie, mehr vor Schnee und Sturm
Als vor Menschen bange,
Aller Raben Angstgeschrei
Um ein Obdach flehet,
Und der Kautz im Thurme, frei
Gegen sie sich blähet;
Wie von meinen Fenstern ab
Dicke Schloßen prallen,
Rasselnd von dem Dach' herab
Morsche Ziegel fallen,
Und noch lauter als das Horn,
Das den Schlaf zerstreuet,
Straf' mich nicht in deinem Zorn!
Kunz, der Heuchler, schreiet!
Sieh! wie selbst die Rosse dort
Fortzugehn sich sträuben!
Welch ein Wetter! – Soll ich fort?
Oder soll ich bleiben? –
Was besinnen! – Heinrich! he!
Sattle noch den Rappen!
Sollt' ich auch in tiefem Schnee
Nach dem Wege tappen,
Sollt ich auch an starrer Hand
Meinen Renner leiten,
Und zuerst vom Felsenrand'
In die Tiefe gleiten.
Mag ich ganze Meilen mich
In dem Forst' verirren,
Mag der Schuhuh fürchterlich
Ueberm Kopf' mir schwirren,
Und der Wind durchs trockne Laub
Alter Eichen rauschen,
Und ein Räuber auf den Raub
In dem Dickicht' lauschen,
Mir mit aufgespanntem Hahn'
Nach der Kehle greifen,
Und auf einem Wolfeszahn'
Seiner Bande pfeifen.
Was sind Räuber, Schnee und Wind!
Sie ist mein gewärtig!
Heinrich! Heinrich! o geschwind!
Ist der Rappe fertig?
       
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