2017-01-27

Gedichte v. N.Becker: Das Harfenmädchen (11)




Das Harfenmädchen

Beim kühlen Wein, beim frohen Mahl
Der Gäste sitzen viele;
Die Harfnerin tritt in den Saal
Mit ihren süßen Spiele.

Wie hoch der Wuchs! Dies Angesicht,
Kein schön'res gibt's hienieden;
Doch leuchtet aus dem Auge nicht
Der Unschuld reiner Frieden.

Sie singt-ob auch das Harfenspiel
In ihrer Brust zersprungen;
Sie singt der holden Lieder viel
Mit süßer Engelzungen.

Und als geendet der Gesang,
Da sammelt sie die Spende,
Es zollen reichlich ihren Dank
Freigebig offne Hände.

Und Einer sitzt im Winkel weit,
Der Tollste in dem Schwarme;
Nicht hat in trunckner Fröhlichkeit
Gesehen er die Arme.

Sie tritt ihn an-wie trüb Sie blickt
Mit bleichen, bleichen Wangen!
Er schauet auf-wie er erschrickt!
Welch Leid hat ihn befangen?

Aus seinen Händen der Pokal
Entstürzt mit dumpfen Schalle,
Vernichtet rennt aus dem Saal-

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