27.01.2017

Gedichte v. N.Becker: Der Alte (14)




Der Alte

Er sah die Bäume sprießen
Mit frischem, jungem Grün,
Er sah die Quellen fließen
Im Sonnenstrahl dahin;

Er sah den Himmelsbogen
So heiter und so blau,-
Die Stirne gramumzogen,
Die Haare silbergrau.

„Wie sich der Lenz zur Erde
Gesenkt vollreicher Zier,
Mit lächelnder Geberde,
So trat er einst zu mir.

„Und hat es mir gegeben,
Was er verheißend bot?
Ein Bettler ist das Leben,
Ein König ist der Tod.

„Bei schattigen Zypressen
Wohnt er im stillen Hain;
Sein Reich, das ist-Vergessen
Sein Thron-einen Leichenstein.

„Und seine Kinder liegen
So friedlich und so warm
In weichem Rasenwiegen
Tief in des Schlummers Arm.

Er sitzt in tiefem Schweigen
Und hütet ihre Ruh';
Nichts naht sich, nur der Reigen
Der Träume schwebt hinzu.

Ich harre, mit vom Gange,
Gelehnt an meinen Stab.
Was säumst du, König, lange?
Wann rufst du mich hinab?“

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