27.01.2017

Gedichte v. N.Becker: Der Blumenstrauß (15)




Der Blumenstrauß

„Als ich Blumen pflückt im Mai
Von der grünen Erden,
Zogen Kriegesleut' vorbei
Hoch auf wilden Pferden.

„Und der Kühnste sprengt heraus,
Schön mit Flammenblicken
Bat er, mit dem Blumenstrauß
Seinen Hut zu schmücken.

„Wie der Sturmwind fährt durchs Land,
Sah ich dann ihn reiten,
Doch das Haupt zurückgewandt
Grüßt der noch von Weiten.

„Blumen pflück ich jetzt im Mai
Von der grünen Erde,
Doch kein Reiter zieht vorbei
Hoch auf wildem Pferde.

„Wohl tief unten mag er ruhn,
Ach! im Streit erschlagen;
Möcht' zu seinem Grabe nun
Diese Blume tragen. „

Als sie trüben Sinnes stand,
Horch, was naht von Weiten?
Wieder Sturmwind fährt durchs Land,
Kam er her zu reiten.

Schnell herab wie Blitzesstrahl
Sprang er, leicht von Mute,
Langt den Strauß, verwelkt und fahl,
Dann von seinem Hute:

„Aus des Krieges wüstem Graus
Bring' ich den zurücke;
Reiche mir den frischen Strauß
Zu des Friedens Glücke. „

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