27.01.2017

Gedichte v. N.Becker: Der gebändigte Löwe (16)




Der gebändigte Löwe

Der Wüste König haben sie bezwungen,
Den starken Löwen mit den stolzen Mähnen.
Wohl schulden sie vor seinen Klaun und Zähnen:
Mit List und Übermacht es ist gelungen.

Und als sie kamen nun mit ihren Frauen
Und sahen den Gewaltigen am Gitter,
Sein dunkles Aug' ein drohendes Gewitter,
Da überschlich sie alsobald ein Grauen,

Das Keiner fast zu atmen sich getraute,
Und alles Blut zurückwich von den Wangen,
Indes der Leu aus seinen Eisenstangen
Verachtend auf das Volk herniederschaute.

Ich kannte Einen, den in enge Schrancken,
Nach hartem Kampf, gedränget die Gemeinen:
Gefesselt stand er, (o, ich möchte weinen!)
Ein König er im Reiche der Gedanken.

Doch wie sie jubelten. Ihren Ränken,
Wenn es um seines Mundes Winkel spielte,
Der helle Blitz aus seiner Braue zielte,-
Sie müssten doch entfärbt die Wimper senken.

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